
Das neue Altersvorsorgedepot startet am 1. Januar 2027 – und schon jetzt zeichnet sich ab, dass Anbieter mit besonders niedrigen Kosten um die ersten Kunden kämpfen.
Nachdem Scalable Capital im August mit einem weitgehend kostenlosen Standarddepot vorgelegt hatte, haben inzwischen weitere Anbieter konkrete Konditionen genannt. Besonders interessant: Deka plant ihr Standarddepot mit Kosten von nur 0,1 % pro Jahr, während Smartbroker+ die ETF-Kosten seines Standarddepots zunächst sogar vollständig erstatten will.
Für Sparer ist das eine spannende Entwicklung. Denn gerade bei einer Altersvorsorge, die über mehrere Jahrzehnte läuft, können laufende Kosten einen erheblichen Unterschied beim späteren Vermögen machen.
Wir schauen uns deshalb an, welche Anbieter bereits konkrete Kosten genannt haben – und wo aktuell noch Fragezeichen bestehen.
🏆 Die wichtigsten Anbieter im Kostenvergleich
| Anbieter | Depotkosten | Weitere Kosten / Besonderheiten | Stand |
|---|---|---|---|
| Scalable Capital | 0 € | Ausgewählte ETFs 2027 mit 0 % p.a. TER | 🟢 konkret |
| Deka | 0,10 % p.a. im Standardmodell | Individualmodell voraussichtlich 1,0–1,5 % | 🟢 konkret |
| Smartbroker+ | 0 € | ETF-Kosten im Standarddepot zunächst erstattet | 🟢 konkret |
| quirion | 0 € zum Start | ETF-Kosten 0,07–0,08 % im ersten Jahr erstattet | 🟢 konkret |
| finanzen.net ZERO | 0 € angekündigt | Weitere Details noch nicht vollständig veröffentlicht | 🟡 angekündigt |
| ING | noch offen | Altersvorsorgedepot angekündigt | 🟡 offen |
| DKB | noch offen | Altersvorsorgedepot angekündigt | 🟡 offen |
| Consorsbank | noch offen | Flexibles Depot + Standarddepot geplant | 🟡 offen |
| comdirect | noch offen | Start für 2027 vorbereitet | 🟡 offen |
Hinweis: Die Angaben in dieser Tabelle erfolgen ohne Gewähr und basieren auf den uns aktuell vorliegenden Informationen. Konditionen können sich bis zum tatsächlichen Marktstart des Altersvorsorgedepots und danach noch ändern. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen Angaben des jeweiligen Anbieters.
Stand: September 2026
Scalable Capital: 0 € Depotkosten und 0 % ETF-Kosten 2027
Scalable Capital war einer der ersten Anbieter, der konkrete Konditionen für das neue Altersvorsorgedepot veröffentlicht hat.
Beim geplanten Standardmodell sollen unter anderem folgende Kosten bei 0 € liegen:
- Konto und Depot
- Sparpläne
- Einzahlungen
- Auszahlungen
- Käufe und Verkäufe
Noch interessanter: Für ausgewählte ETFs sollen im Jahr 2027 die laufenden ETF-Kosten bei 0 % p.a. liegen. Scalable übernimmt dabei die TER bis zum 31. Dezember 2027.
Wichtig ist allerdings der Zusatz „ausgewählte ETFs“. Es handelt sich also nicht automatisch um eine dauerhafte Erstattung sämtlicher ETF-Kosten.
Daneben soll es eine flexible Variante geben, bei der Anleger ihre Produkte selbst auswählen können.
👉 Scalable bleibt damit einer der aggressivsten Anbieter im aktuellen Preisvergleich.
Deka: 0,1 % pro Jahr im Standarddepot
Mit Deka ist inzwischen ein weiterer großer Anbieter mit einer konkreten Zahl aufgetaucht.
Das geplante Standard-Altersvorsorgedepot soll 0,1 % pro Jahr kosten.
Daneben plant Deka ein individuell gestaltbares Modell. Dieses soll allerdings deutlich teurer werden und laut den derzeit bekannten Angaben bei etwa 1,0 bis 1,5 % liegen.
Damit positioniert sich Deka beim Standardmodell überraschend günstig.
0,1 % laufende Kosten sind insbesondere deshalb interessant, weil das Standarddepot gleichzeitig die einfachere Variante für Anleger sein soll, die nicht selbst einzelne Wertpapiere auswählen möchten.
Damit hat Deka plötzlich einen ziemlich starken Kostenpunkt im Rennen.
Smartbroker+: Drei Jahre ETF-Kosten erstattet
Auch Smartbroker+ ist inzwischen mit konkreten Konditionen an den Start gegangen.
Das Altersvorsorgedepot soll dauerhaft ohne eigene:
- Depotgebühr
- Sparplankosten
- Smartbroker-Ordergebühren
auskommen.
Besonders spannend ist aber das Standarddepot.
Smartbroker+ bietet drei Varianten auf Basis von:
- MSCI World
- MSCI ACWI
- FTSE All-World
an.
Die laufenden Produktkosten dieser Standarddepots liegen überwiegend unter 0,15 % pro Jahr.
Und: Diese ETF-Kosten sollen in den ersten drei Jahren erstattet werden – bis zu einem Anlagevolumen von 25.000 €. Unter bestimmten Bedingungen kann die Erstattung danach weiterlaufen. Dafür sind unter anderem mindestens 15 Trades pro Kalenderjahr im normalen Smartbroker+-Depot vorgesehen.
Das macht Smartbroker+ aktuell zu einem der interessantesten Angebote für Anleger, die möglichst wenig laufende Kosten zahlen möchten.
quirion: ebenfalls kostenloser Start
Auch quirion hat inzwischen konkrete Zahlen veröffentlicht.
Beim Standard-Altersvorsorgedepot soll zum Start keine Depotgebühr anfallen.
Die beiden ETFs des Standardmodells sollen laufende Kosten von 0,07 % bzw. 0,08 % pro Jahr haben. Diese Kosten will quirion mindestens im ersten Jahr vollständig erstatten.
Was danach passiert, will quirion erst vor dem offiziellen Start am 1. Januar 2027 bekannt geben.
Auch hier gilt deshalb:
0 € zum Start bedeutet nicht automatisch 0 € für die gesamte Laufzeit.
Und was machen ING, DKB und Consorsbank?
Hier wird es interessant – denn mehrere große Banken sind bereits offiziell dabei, halten sich bei den Preisen aber noch zurück.
ING
Die ING hat ein Altersvorsorgedepot angekündigt und informiert bereits über das neue Modell. Konkrete Konditionen wurden bisher jedoch nicht veröffentlicht.
DKB
Auch die DKB bereitet ein Altersvorsorgedepot für 2027 vor. Auf der aktuellen Informationsseite werden bereits Rechner und Produktdetails gezeigt, eine konkrete Kostenquote wird dort derzeit aber nicht genannt.
Consorsbank
Die Consorsbank plant sogar zwei Varianten:
- ein flexibles Altersvorsorgedepot für Selbstentscheider
- ein Standarddepot für Anleger, die die Auswahl stärker vereinfachen möchten
Die konkreten Kosten sind allerdings ebenfalls noch nicht veröffentlicht.
comdirect
Auch comdirect bereitet das Altersvorsorgedepot vor. Der Anbieter wirbt inzwischen sogar mit einer 50-Euro-Early-Bird-Prämie für die Eröffnung eines Altersvorsorgedepots nach dem Start. Die endgültigen Produktkonditionen sind aber noch von der finalen Einführung und Zertifizierung abhängig.
finanzen.net ZERO: „gebührenfrei“
Auch finanzen.net ZERO positioniert sich inzwischen sehr offensiv.
Auf der eigenen Website wird das neue Altersvorsorgedepot aktuell als „gebührenfrei bei ZERO“ beworben. Konkrete Details zu sämtlichen laufenden Kosten des späteren Produkts sind allerdings noch nicht vollständig veröffentlicht.
Deshalb würden wir ZERO aktuell zwar als 0-€-Angebot angekündigt, aber noch nicht mit Scalable oder Deka gleichsetzen, bei denen bereits deutlich konkretere Konditionen vorliegen.
Der eigentliche Preiskampf beginnt gerade erst
Was momentan besonders auffällt:
Noch ist kein endgültiger Sieger erkennbar.
Denn die Anbieter verwenden teilweise völlig unterschiedliche Kostenmodelle.
Ein Beispiel:
Scalable:
0 € Depot + ausgewählte ETFs 2027 mit 0 % TER
Deka:
0,1 % p.a. im Standardmodell
Smartbroker+:
0 € Depot + ETF-Kostenerstattung im Standardmodell
quirion:
0 € Depot + Erstattung der ETF-Kosten mindestens im ersten Jahr
Auf den ersten Blick sehen diese Angebote ähnlich günstig aus.
Bei genauerem Hinsehen sind sie aber nicht direkt miteinander vergleichbar.
Entscheidend ist deshalb nicht nur die Depotgebühr.
Nicht nur auf die Depotgebühr schauen
Wer 30 oder 40 Jahre für die Rente spart, sollte auf die Gesamtkosten achten.
Dazu gehören unter anderem:
- Depotgebühren
- ETF-Kosten (TER)
- Kosten für Käufe und Verkäufe
- mögliche Produktkosten
- Kosten einer späteren Auszahlungsphase
- Kosten eines Garantieprodukts
- mögliche Gebühren für zusätzliche Services
Genau darauf weist auch Finanztip bei der Auswahl eines Altersvorsorgedepots hin: Nicht nur die Depotgebühr zählt, sondern die Gesamtkosten des jeweiligen Angebots.
Ein vermeintliches 0-€-Depot kann deshalb am Ende teurer sein als ein Depot mit beispielsweise 0,1 % laufenden Kosten – wenn die restlichen Produktkosten höher sind.
Was bedeuten kleine Kostenunterschiede eigentlich?
Das ist genau der Punkt, den wir auf VorsorgeDepot-Guide.de besonders interessant finden.
0,1 %, 0,2 % oder 0,5 % Unterschied klingen zunächst nach wenig.
Über Jahrzehnte können sich solche Kostenunterschiede durch den Zinseszinseffekt aber deutlich auf das Endvermögen auswirken.
Deshalb wird es beim Altersvorsorgedepot 2027 nicht nur darum gehen:
„Welcher Anbieter hat 0 € Depotgebühr?“
Die viel wichtigere Frage lautet:
„Bei welchem Anbieter bleibt nach allen Kosten langfristig am meisten für meine Altersvorsorge übrig?“
Genau hier dürfte der Wettbewerb der Anbieter in den kommenden Monaten noch deutlich interessanter werden.
Unser Fazit: Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen
Der aktuelle Stand im September 2026 zeigt bereits einen bemerkenswerten Wettbewerb.
Scalable Capital hat mit seinem kostenlosen Standardmodell vorgelegt.
Deka kontert mit 0,1 % p.a. im Standarddepot.
Smartbroker+ setzt auf 0 € Depotgebühr und eine zeitweise vollständige Erstattung der ETF-Kosten.
quirion plant ebenfalls einen kostenlosen Start.
Und weitere große Anbieter wie ING, DKB und Consorsbank haben ihre Produkte zwar angekündigt, halten sich bei den konkreten Preisen aber noch zurück.
Damit dürfte der Preiskampf um das Altersvorsorgedepot gerade erst begonnen haben.
Und für Sparer ist das zunächst einmal eine gute Nachricht.
Denn je stärker die Anbieter über die Kosten konkurrieren, desto größer ist die Chance, dass das neue Altersvorsorgedepot tatsächlich deutlich günstiger wird als viele klassische Altersvorsorgeprodukte der Vergangenheit.
Wir werden die Konditionen weiter beobachten und diesen Vergleich aktualisieren, sobald neue Anbieter konkrete Preise veröffentlichen.
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