
10 Euro im Monat. Mehr zahlt der Staat zunächst nicht. Doch aus diesem kleinen Betrag könnte über Jahrzehnte ein überraschend großes Altersvorsorgevermögen entstehen.
Zunächst nicht. Doch aus diesem kleinen Betrag könnte über Jahrzehnte ein überraschend großes Altersvorsorgevermögen entstehen.
Mit der geplanten Frühstartrente will die Bundesregierung Kinder bereits früh an die private Altersvorsorge und den Kapitalmarkt heranführen. Ab dem 6. Lebensjahr sollen Kinder monatlich 10 Euro vom Staat erhalten.
Aber wohin fließt das Geld eigentlich?
Und was hat die Frühstartrente mit dem neuen Altersvorsorgedepot zu tun?
Genau das schauen wir uns in unserem Rechner-Experiment an.
Was ist die Frühstartrente überhaupt?
Die Frühstartrente ist ein neues staatliches Fördermodell für Kinder und Jugendliche.
Nach dem aktuellen Gesetzentwurf soll der Staat für anspruchsberechtigte Kinder vom 6. bis zum 18. Lebensjahr jeden Monat 10 Euro in ein individuelles, kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot einzahlen. Das Bundeskabinett hat den entsprechenden Gesetzentwurf am 12. August 2026 beschlossen.
Das Entscheidende dabei:
Die 10 Euro landen nicht einfach auf einem Sparkonto.
Sie werden in ein Altersvorsorgedepot des Kindes eingezahlt und dort am Kapitalmarkt angelegt.
Eltern sollen das Depot bei einem privaten Anbieter eröffnen können. Vorgesehen sind zertifizierte Standarddepot-Verträge mit einem Effektivkostendeckel von 1 Prozent und ohne Abschluss- und Vertriebskosten bis zur Volljährigkeit.
Damit soll bereits im Kindesalter ein erster Grundstein für die spätere private Altersvorsorge gelegt werden.
Warum gibt es die Frühstartrente?
Die Idee dahinter ist eigentlich ziemlich einfach:
Je früher mit dem langfristigen Vermögensaufbau begonnen wird, desto länger kann das Geld investiert bleiben.
Die Bundesregierung möchte deshalb Kinder bereits früh mit dem Kapitalmarkt vertraut machen und gleichzeitig ein kleines Startkapital für ihre spätere Altersvorsorge aufbauen.
Das ist ein deutlicher Unterschied zu klassischen Sparmodellen.
Denn bei der Frühstartrente geht es nicht darum, 10 Euro einfach auf einem Konto liegen zu lassen.
Das Geld soll investiert werden.
Und genau dadurch kommt der Zinseszinseffekt ins Spiel.
Wie viel zahlt der Staat tatsächlich?
10 Euro pro Monat klingt zunächst nach sehr wenig.
Rechnen wir einmal ganz einfach:
10 € × 12 Monate = 120 € pro Jahr
Über zwölf Jahre ergibt das:
120 € × 12 = 1.440 €
Der Staat würde also zunächst 1.440 Euro pro Kind einzahlen, wenn die Förderung vom 6. bis zum 18. Lebensjahr vollständig bezogen wird.
Das ist der Betrag der reinen staatlichen Einzahlungen.
Doch hier wird es interessant.
Denn das Geld soll während dieser Zeit investiert werden.
Was kann aus den 10 Euro werden?
Nehmen wir für unser Rechner-Experiment eine langfristige durchschnittliche Rendite von 7 Prozent pro Jahr an.
Wichtig: Das ist keine Garantie und keine Prognose. Die tatsächliche Rendite kann deutlich höher oder niedriger ausfallen.
Wir wollen damit lediglich zeigen, welchen Einfluss eine langfristige Kapitalanlage haben kann.
Bei regelmäßigen monatlichen Einzahlungen und einer angenommenen Rendite von 7 Prozent könnte das Depot bis zum 18. Geburtstag bereits deutlich über den tatsächlich eingezahlten 1.440 Euro liegen.
Der Unterschied entsteht durch die Rendite.
Und jetzt kommt der wirklich interessante Teil:
Mit 18 Jahren muss die Geschichte nicht enden.
Mit 18 beginnt der Zinseszins erst richtig zu arbeiten
Stell dir vor, das Kind wird 18 Jahre alt und lässt das angesparte Kapital einfach weiter investiert.
Es kommen zunächst keine weiteren eigenen Einzahlungen dazu.
Das Geld bleibt einfach liegen.
Dann hat das Kapital noch fast fünf Jahrzehnte Zeit, bis zum Rentenalter zu wachsen.
Genau hier zeigt sich die enorme Wirkung des Zinseszinseffekts.
Ein Betrag, der mit 18 Jahren noch relativ klein aussieht, kann mit 67 Jahren deutlich größer sein.
Denn nicht nur das ursprüngliche Kapital erwirtschaftet Rendite.
Auch die bereits erzielten Gewinne können wiederum Gewinne erwirtschaften.
Das eigentliche Experiment: Was passiert bis zur Rente?
Nehmen wir deshalb drei verschiedene Szenarien.
Szenario 1: Nur der Staat zahlt
Das Kind erhält ausschließlich die staatlichen 10 Euro.
Die Eltern zahlen nichts zusätzlich ein.
Nach dem 18. Geburtstag wird ebenfalls nichts mehr eingezahlt.
Das vorhandene Kapital bleibt aber investiert.
Damit können wir sehen, was allein aus der staatlichen Frühstartrente langfristig entstehen könnte.
Szenario 2: Eltern zahlen zusätzlich 25 Euro
Jetzt wird es interessanter.
Der Staat zahlt 10 Euro.
Die Eltern legen zusätzlich 25 Euro monatlich zurück.
Damit landen jeden Monat:
35 Euro im Altersvorsorgedepot.
Schon dieser relativ kleine zusätzliche Betrag kann über zwölf Jahre einen erheblichen Unterschied machen.
Szenario 3: Staat + 100 Euro von den Eltern
Und dann gehen wir noch einen Schritt weiter.
Der Staat zahlt 10 Euro.
Die Eltern legen zusätzlich 100 Euro monatlich zurück.
Damit werden jeden Monat:
110 Euro investiert.
Hier wird besonders deutlich, welchen Unterschied regelmäßige zusätzliche Einzahlungen über viele Jahre machen können.
Der wichtigste Punkt: Zeit
Das Spannende an der Frühstartrente sind deshalb nicht unbedingt die 10 Euro.
Es ist die Zeit.
Ein Kind, das mit sechs Jahren beginnt, hat einen enorm langen Anlagehorizont.
Selbst wenn nach dem 18. Geburtstag zunächst kein weiterer Euro eingezahlt würde, könnte das vorhandene Kapital noch jahrzehntelang investiert bleiben.
Das ist der entscheidende Unterschied zwischen:
„Ich spare 10 Euro im Monat.“
und
„Ich investiere 10 Euro im Monat und gebe dem Geld mehr als 50 Jahre Zeit.“
Was passiert nach dem 18. Geburtstag?
Die Frühstartrente soll ausdrücklich als Startkapital für die spätere private Altersvorsorge dienen.
Nach dem aktuellen Konzept kann das angesparte Kapital nach der Volljährigkeit weiter für die private Altersvorsorge genutzt werden. Das Depot kann durch eigene Beiträge weiter bespart werden.
Damit könnte aus der staatlichen Förderung ein langfristiger Sparprozess entstehen.
Das Kind bekommt also nicht einfach mit 18 Jahren 1.440 Euro auf sein Girokonto überwiesen.
Das Geld ist für die Altersvorsorge vorgesehen.
Nach dem aktuellen Gesetzentwurf darf das Frühstartrentenvermögen grundsätzlich nur als Altersleistung ausgezahlt werden.
Und genau hier kommt das Altersvorsorgedepot ins Spiel
Das ist wahrscheinlich der Punkt, der auf den ersten Blick am schwersten zu verstehen ist.
Die Frühstartrente ist kein komplett separates Sparsystem.
Die 10 Euro werden direkt in einen speziellen Altersvorsorgevertrag beziehungsweise ein individuelles, kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot eingezahlt.
Damit verbindet die Bundesregierung zwei Dinge:
Frühstartrente
→ staatliche 10 € pro Monat
→ Altersvorsorgedepot
→ Kapitalmarktanlage
→ langfristiger Vermögensaufbau
Das Kind bekommt dadurch schon früh einen eigenen Einstieg in die kapitalgedeckte Altersvorsorge.
Warum die 10 Euro trotzdem interessant sein können
Man könnte natürlich sagen:
„10 Euro im Monat? Das bringt doch nichts.“
Kurzfristig betrachtet stimmt das vielleicht.
Langfristig sieht die Sache anders aus.
1.440 Euro reine staatliche Einzahlung sind kein riesiges Vermögen.
Aber wenn dieses Geld bereits im Kindesalter investiert wird und anschließend jahrzehntelang weiterarbeiten kann, verändert sich die Rechnung.
Und genau das ist der eigentliche Gedanke hinter der Frühstartrente.
Nicht die Höhe der monatlichen Zahlung steht im Mittelpunkt.
Sondern der extrem lange Anlagehorizont.
Was wäre, wenn Eltern zusätzlich sparen?
Hier wird die Frühstartrente besonders interessant.
Denn die staatlichen 10 Euro müssen nicht zwangsläufig die einzige Einzahlung bleiben.
Wenn Eltern zusätzlich investieren, erhöht sich der monatliche Sparbetrag.
Aus:
10 € Staat
werden beispielsweise:
35 € mit 25 € Elternbeitrag
oder:
60 € mit 50 € Elternbeitrag
oder:
110 € mit 100 € Elternbeitrag.
Und über einen Zeitraum von zwölf Jahren summieren sich selbst kleine zusätzliche Beträge.
Danach kann das angesparte Kapital wiederum jahrzehntelang weiter investiert bleiben.
Unser Fazit
Die Frühstartrente klingt zunächst unspektakulär.
10 Euro im Monat sind schließlich nicht besonders viel.
Aber genau darin liegt die interessante Frage:
Was passiert, wenn ein kleiner Betrag nicht nur ein paar Jahre, sondern mehr als 50 Jahre investiert bleibt?
Die Antwort hängt natürlich von der tatsächlichen Rendite, den Kosten, der Inflation und der späteren Entwicklung des Altersvorsorgesystems ab.
Die 10 Euro sind deshalb kein Versprechen auf ein bestimmtes Vermögen.
Sie sind vielmehr ein staatlicher Startschuss für die Altersvorsorge.
Und genau das macht die Frühstartrente so interessant:
Nicht die 10 Euro selbst könnten den größten Unterschied machen – sondern die Jahrzehnte, die danach kommen.
Mit unserem Altersvorsorge-Rechner kannst du selbst ausprobieren, wie sich unterschiedliche Sparbeträge und Renditen entwickeln.
Zum Beispiel:
10 € Staat
vs.
10 € Staat + 25 € Eltern
vs.
10 € Staat + 50 € Eltern
vs.
10 € Staat + 100 € Eltern
Und genau hier wird sichtbar, wie stark sich kleine monatliche Beträge über Jahrzehnte verändern können.
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